Samstag, 3. November 2007

Das erste Statement [Alaska]

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Als Sir Pepe Kowalski eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem haarigen Kater verwandelt. Er lag knäuelartig zusammengerollt auf seiner Bettdecke und konnte, wenn er sich auch nur ein wenig Mühe gab, seinen Kopf zu strecken und sein Maul zu öffnen, auf seinem schwarzem Schwanz herumkauen, wenn er das nur gewollt hätte. »Was ist mit mir geschehen?«, dachte er. Es war kein Traum. Sein Zimmer, ein richtiges, nur etwas zu kleines Menschenzimmer, lag ruhig zwischen den vier wohlbekannten Wänden. Über dem Tisch, auf dem eine auseinandergepackte Musterkollektion von Peek & Cloppenburg ausgebreitet war - Kowalski war Außendienstmitarbeiter - hing das Bild, das er vor kurzem aus einer Zeitschrift ausgeschnitten und in einem hübschen, vergoldeten Rahmen untergebracht hatte. Es zeigte ein junges Model, das mit einem Pelzhut und einer Pelzboa versehen, aufrecht dasaß und einen schweren Pelzmuff, in dem ihr ganzer Unterarm verschwunden war, dem Beschauer entgegenhob. Sie tat dies völlig selbstverständlich, obwohl sie außer den benannten Pelzteilen nichts Weiteres bekleidete. All dieses Fell an der jungen Frau schien ihn nun ein wenig auszulachen.
Pepes Blick richtete sich dann zum Fenster, und das trübe Wetter - man hörte Regentropfen auf das Fensterblech aufschlagen - machte ihn ganz melancholisch. »Wie wäre es, wenn ich noch ein wenig weiterschliefe und alle Narrheiten vergäße«, dachte er, aber das war gänzlich undurchführbar, denn er war gewöhnt, auf der rechten Seite zu schlafen, konnte sich aber in seinem gegenwärtigen Zustand nicht in diese Lage bringen. Als wäre sein jetziger Körper nur für eine Form der zusammengerollten Bequemlichkeit angelegt. Er versuchte es wohl hundertmal, schloß die Augen, um keine der Haare seines eigenes Fells abzukriegen – Sir Pepe Kowalski erinnerte sich auch dunkel, als Kind eine Katzenhaarallergie gehabt zu haben und deswegen zeitlebens Katzen gemieden zu haben – und ließ erst ab, als er in seiner Lendengegend einen noch nie gefühlten, leichten, dumpfen Schmerz zu fühlen begann.

Was hier passiert:

Anfang. Ende. ist ein virtuelles Romanprojekt des Studiengangs Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus: dreizehn Personen, eine Katze, ein Hase und eine fremde Macht. Die Zeichen stehen auf Sturm. In Tagen wird es vorüber sein.

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Impressum:

Aline Kappich, Azar Mortazavi, Clara Ehrenwerth, Eva-Lena Lörzer, Fabian Hischmann, Florian Balle, Hieu Hoang Duc, Janna Schielke, Julia Schulz, Max Balzer, Phillip Hartwig, Sebastian Albrecht, Sebastian Polmans, Susanne Kruse. Moderiert von Jule D. Körber und Lino Wirag.

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